{"id":2940,"date":"2020-12-23T00:00:24","date_gmt":"2020-12-23T01:00:24","guid":{"rendered":"https:\/\/seksissach.ch\/lz_blog\/?p=2940"},"modified":"2020-12-15T13:04:54","modified_gmt":"2020-12-15T14:04:54","slug":"ein-vorweihnachtsabend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seksissach.ch\/lz_blog\/2020\/12\/23\/ein-vorweihnachtsabend\/","title":{"rendered":"23. Dezember: Vorweihnachtsabend"},"content":{"rendered":"<p>Es ist der 23. Dezember und Lea blickt nachdenklich aus dem Fenster \u00abAch Mama\u00bb, seufzt sie, \u00abwo bist du jetzt bloss?\u00bb Das verstehst du, liebe Leserin oder lieber Leser, wahrscheinlich nicht. Deshalb erkl\u00e4re ich es dir. Leas Mutter Emily Blossom ist eine Ornithologin und reist um die Welt, deshalb sehen sich Mutter und Tochter nie. Das einzige was Lea von ihrer Mutter hat, sind die vielen Postkarten, die sie immer wieder bekommt. Die letzte Postkarte, die im Briefkasten lag, kam aus Neuseeland. Lea liest sie jetzt schon zum sechzehnten mal durch.<\/p>\n<p><em>Liebe Lea,<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hoffe, dir und Papa geht es gut. Vorne auf der Karte siehst du <\/em><i>Neuseeland von oben. Ich liebe diese Insel. Ich bin hier auf einen interessanten Fund gestossen, aber dar\u00fcber m\u00f6chte ich noch nichts verraten. Ich denke, es w\u00fcrde dir hier genauso gefallen wie mir, mit diesen vielen aussergew\u00f6hnlichen Tieren. Erst gerade habe ich einen Kea gesehen, das ist eine sehr seltene Papageienart. Wenn du mir zur\u00fcckschreibst, musst du mir unbedingt erz\u00e4hlen, was mit diesem Daniel l\u00e4uft. Das letzte Mal hast du so verliebt get\u00f6nt, dass ich mich richtig f\u00fcr dich gefreut habe. Zumindest w\u00fcnsche ich dir viel Gl\u00fcck ;). <em>Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder. <\/em><\/i><em>Kuss<br \/>\n<\/em><em>Mama<\/em><\/p>\n<p>Als Lea die Postkarte wieder weglegt, hat sie Tr\u00e4nen in den Augen. Sie blickt die vielen Postkarten an ihrer Pinnwand an. Da ist eine aus Chile, eine aus Norwegen, eine aus Korsika und eine aus Indien. Das sind ihre Lieblingskarten. Dann blickt sie wieder aus dem Fenster. Das beschlagene Glas gibt den Blick auf eine dunkle Strasse frei, die nur von einer Strassenlaterne beleuchtet wird. Vor ihren Augen beginnen die ersten Schneeflocken zu fallen. Lea dreht am Fenstergriff, \u00f6ffnet das Fenster und streckt den Kopf in die kalte Winterluft. Als sie blinzelt, bemerkt sie, dass unten auf der Strasse eine Kerze leuchtet. Neugierig blickt sie genauer hin. Da liegt doch ein Zettel.<\/p>\n<p>Schnell zieht sie sich die erstbesten Schuhe an, die ihr in die H\u00e4nde fallen. Na toll, es sind die glitzernden roten Pumps, die zu ihrem Weihnachtsoutfit geh\u00f6ren, das sie immer noch anhat. Bevor sie so r\u00fchrselig geworden ist, hat sie n\u00e4mlich das rote Kleid und die Str\u00fcmpfe anprobiert. Sie geht morgen Abend mit ihrem Vater zum Weihnachtsfest des strengen Teils der Familie. Darum muss alles perfekt sitzen. Lea reisst sich von ihren Gedanken los und st\u00fcrzt die Treppe herunter. Dieser Zettel hat ihre Aufmerksamkeit geweckt und Ablenkung ist genau das, was sie momentan gebrauchen kann. Als sie bei der Haust\u00fcr ankommt schnappt sie sich ihren Mantel von der Garderobe. Sie geht die Strasse entlang, bis sie bei der Kerze ankommt. Langsam beugt sie sich zum schon ziemlich verschneiten Boden hin. Bed\u00e4chtig hebt sie den Zettel auf und klappt ihn auf. Dort steht in verschmierter Schrift:<\/p>\n<p><em>Hey Lea, ich wusste, dass dieser Zettel deine Neugier wecken w\u00fcrde. Ich w\u00fcrde mich sehr freuen, wenn du heute Abend an das Rheinufer beim Spielplatz kommen w\u00fcrdest. Ich bin um 18:30 dort.<\/em><\/p>\n<p>Lea blickt auf ihre Armbanduhr. Es ist schon 18:14 und bis zu der beschriebenen Stelle dauert es \u00a0mindestens eine Viertelsund zu Fuss. Lea fasst einen Entschluss: Wer immer sich die M\u00fche macht, ihr so einen Brief zu schreiben, hat ein Recht auf ihre Aufmerksamkeit. Also wirft sie noch einen kurzen Blick zur\u00fcck zum Haus und geht dann mit schnellen Schritten in Richtung Rhein. Als sie halb erfroren ankommt, wirft sie noch einmal einen Blick auf ihre Uhr. Es ist 18:34. Sie eilt zu dem Ort, von dem sie im Brief gelesen hat. Dort steht, im Licht des Karussells, ein junger Mann, der ihr den R\u00fccken zugekehrt hat. \u00abLea bist du es?\u00bb fragt der Mann. Lea stutzt: \u00abDaniel? Was machst du hier?\u00bb Daniel dreht sich um: \u00abKomm bitte mit, ich m\u00f6chte dir etwas zeigen, Lea\u00bb \u00abAber &#8230; \u00bb beginnt sie, wird aber von Daniel an der Hand gepackt und mitgezogen. Da gibt Lea das Fragen auf. Zusammen gehen sie die dunkle, verschneite Strasse entlang. Der Junge in Schal, M\u00fctze und mit F\u00e4ustlingen und das M\u00e4dchen in einem glitzernden roten Kleid mit passenden High Heels und einem dunkelgrauen Mantel. \u00abIst dir kalt?\u00bb, Daniel blickt sie fragend an und sieht, dass sie zittert. Ohne etwas zu sagen, legt er ihr seinen Schal um. Eine kurze Zeit gehen sie schweigend weiter. Dann fragt Lea abrupt: \u00abWo gehen wir hin, Daniel?\u00bb Seine Antwort ist nur ein geheimnisvolles \u00abDas wirst du schon sehen &#8230;\u00bb Jetzt ist Lea nur noch neugieriger, aber Daniel beginnt schon wieder zu sprechen: \u00abWei\u00dft du eigentlich wie sch\u00f6n dieses Kleid ist? Ich finde es steht dir super.\u00bb Lea wendet den Kopf ab um zu verbergen, dass sie rot wird. \u00abDanke, das ist sehr\u00a0 nett von dir\u00bb Dann bindet Daniel ihr pl\u00f6tzlich mit einem Tuch die Augen zu und sagt: \u00abDu darfst nicht gucken, das wird eine \u00dcberraschung.\u00bb Durch das Tuch sieht Lea ein rotes Schimmern und trotz Daniels sanfter F\u00fchrung bemerkt sie, dass sie \u00fcber eine T\u00fcrschwelle ins Warme treten. \u00abWarte bitte hier, Lea\u00bb sagt er und Lea sp\u00fcrt dass er sich entfernt. Kurz darauf h\u00f6rt sie, dass Daniel sich leise mit jemandem unterh\u00e4lt. Dann kommt er wieder zu ihr und f\u00fchrt sie weiter. \u00abDu kannst dich setzten, da steht ein Stuhl\u00bb sagt Daniel leise und als sie sich gesetzt hat nimmt er ihr das Tuch ab. Sie sitzt an einem runden Tisch aus poliertem Mahagoni auf dem ein weihnachtliches Blumengesteck mit einer Kerze darin steht. Daniel setzt sich ihr gegen\u00fcber hin, w\u00e4hrend sie sich im Raum umschaut. Der Tisch, an dem sie sitzen, steht am Fenster und im Raum verteilt stehen vier weitere leere Tische. Die Decke und der Boden sind beide aus Holz, das im Licht der Kronleuchters aus wundersch\u00f6nen Prismen, golden gl\u00e4nzt. Die W\u00e4nde sind in einem Gr\u00fcnton gestrichen und mit Fotos von sch\u00f6nen Landschaften \u00fcbers\u00e4ht. Im Hintergrund l\u00e4uft leise das Lied \u00abLast Christmas\u00bb. Lea wendet den Blick wieder dem jungen Mann zu, der ihr gegen\u00fcber sitzt, und bemerkt, dass Daniel eine Rose in der Hand h\u00e4lt. Die Rose ist orange und hat an den R\u00e4ndern der Bl\u00fctenbl\u00e4tter eine rote Linie. \u00abF\u00fcr dich\u00bb, Daniel sieht ihr in die Augen. Leas Wangen werden bei dem intensiven Blickkontakt ganz rot, aber auch Daniels Gesicht wird leicht rosa. Da sie v\u00f6llig versunken in ihrer eigenen Welt sind, erschrecken sie sich beide, als die T\u00fcre aufgeht. Hinein kommt ein Mann der ihnen eine Speisekarte bringt. Jetzt wird Lea klar, dass sie in einem Restaurant sind. Als der Kellner wieder gegangen ist, studieren die beiden die Speisekarte. Lea \u00fcberlegt noch, als sie das Wort an ihren Gegen\u00fcber wendet: \u00abWas nimmst du Daniel?\u00bb \u00abWeiss noch nicht &#8230; Du?\u00bb fragt er zur\u00fcck und sie sagt: \u00abIch weiss nicht ob ich den Lachs mit ged\u00fcnstetem Gem\u00fcse oder das Rindsfilet mit Kartoffelkroketten nehmen soll.\u00bb\u00a0 Da lacht Daniel: \u00abIch hatte auch die beiden im Auge. Wie w\u00e4re es, wenn wir beides je einmal bestellen und dann teilen?\u00bb \u00abDas w\u00e4re eine tolle Idee, dann kommen wir in den Genuss von beidem\u00bb, sagt Lea und muss auch lachen.<\/p>\n<p>Als der Kellner wieder kommt bestellen sie und plaudern dann weiter. Die beiden lachen viel und haben Spass. Dann kommt das Essen und der Kellner bringt eine kleine \u00dcberraschung mit. Einen Krug Fruchtbowle, deren Fr\u00fcchte zu lauter kleinen Herzen geformt sind. Nachdem Lea und Daniel sich fr\u00f6hlich bedankt haben, stellen die beiden Teller mit dem Essen in die Mitte des Tisches. Da nimmt Daniel eine Gabel voll Lachs und steckt ihn Lea in den Mund. \u00abUnd wie schmeckt es?\u00bb neckt er sie. \u00abProbier doch selbst\u00bb antwortet sie und f\u00fcttert ihn mit einem L\u00f6ffel voll Gem\u00fcse. Lachend f\u00fcttern sie einander und bestellen dann noch ein Coupe Hot Berry. Auch den teilen sie, genau wie das Essen. Die Zeit vergeht wie im Flug. Als sie bezahlt haben und langsam nach draussen gehen wollen, nimmt Lea Daniels Hand und beginnt mit ihm zu dem im Hintergrund laufenden \u00abMistletoe\u00bb von Justin Bieber zu tanzen. Ihre Rose steckt Lea in ihr offenes Haar. F\u00fcr kurze Zeit macht Daniel mit, aber dann gesteht er ihr leise: \u00abEigentlich bin ich nicht so ein Tanzfan, Lea.\u00bb \u00abIch eigentlich auch nicht, ich wollte nur schauen, wie du reagierst.\u00bb antwortet sie. Dann gehen die beiden Hand in Hand nach draussen, ans Rheinufer. Unter einer Strassenlaterne setzten sie sich auf eine Mauer und blicken auf den tosenden Fluss der im Mondlicht schimmert. Dann legt Daniel eine Hand an Leas Wange und k\u00fcsst sie sanft. Lea k\u00fcsst ihn zur\u00fcck. Und als sie aufh\u00f6ren, legt Daniel eine Hand um ihre Schulter. Nach einer Weile Schweigen fragt Daniel: \u00abLea willst du mit mir zusammen sein?\u00bb Da muss Lea nicht lange \u00fcberlegen \u00abJa, das will ich\u00bb, ruft sie in die Nacht hinaus und k\u00fcsst ihn noch einmal. Etwas sp\u00e4ter begleitet Daniel die zitternde Lea nach Hause und verabschiedet sich: \u00abIch hoffe, wir sehen uns morgen wieder.\u00bb \u00abDaniel\u00bb, fl\u00fcstert Lea leise, \u00abdu bist mein Weihnachtswunder!\u00bb Dann k\u00fcsst sie ihn fl\u00fcchtig, bevor sie im Haus verschwindet. Leise steigt sie die Treppe in ihr Zimmer hoch. Sie schaut aus ihrem Fenster und sieht ihren Freund im Schneegest\u00f6ber davongehen. Sie \u00f6ffnet das Fenster und ruft hinaus: \u00abIch liebe dich, Daniel!\u00bb und er ruft zur\u00fcck \u00abUnd ich liebe dich, Lea!\u00bb Sie schliesst das Fenster und setzt sich an ihren Schreibtisch. Sie nimmt ein Briefpapier hervor und beginnt zu schreiben &#8230;<\/p>\n<p><em>Liebe Mama,<\/em><\/p>\n<p><em>Vielen Dank f\u00fcr das Gl\u00fcck, das du mir gew\u00fcnscht hast. Ich berichte dir jetzt alles \u00fcber Daniel und mich &#8230;<\/em><\/p>\n<p>Und jetzt lasse ich Lea wieder allein ihren Brief schreiben. Vielleicht h\u00f6ren wir wieder mal von ihr. Und euch dort draussen w\u00fcnsche ich auch so ein Weihnachtswunder, wie Lea es erlebt hat.<\/p>\n<p>Frohe Weihnachten und bis zum n\u00e4chsten Mal<\/p>\n<p>Undomiel \u2764\ufe0f<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist der 23. Dezember und Lea blickt nachdenklich aus dem Fenster \u00abAch Mama\u00bb, seufzt sie, \u00abwo bist du jetzt bloss?\u00bb Das verstehst du, liebe Leserin oder lieber Leser, wahrscheinlich nicht. Deshalb erkl\u00e4re ich es dir. Leas Mutter Emily Blossom ist eine Ornithologin und reist um die Welt, deshalb sehen sich Mutter und Tochter nie. &hellip; <a href=\"https:\/\/seksissach.ch\/lz_blog\/2020\/12\/23\/ein-vorweihnachtsabend\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">23. 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